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Quer durch die Rocky Mountains 2/4

Am späten Abend am Bahnhof in Jasper

Um 14:55 Uhr überfahre ich den Border von British Columbia nach Alberta und mir wird eine Stunde abgenommen: Es ist schon 15:55 Uhr. Hier am Border ist der Pass und der höchste Punkt der Strasse erreicht. Ungefähr 1100 Meter nach meiner Barometeruhr. Aber es steht kein Schild dort, nur für Jasper wird eine Höhe von 1060 m angegeben. Hier oben, direkt an der Strasse, senkrecht aufgekantete, riesige Schieferplatten. In Jasper bin ich eine halbe Stunde später. Ich stelle meine Wohnung an den Bahnhof. In Jasper werde ich heute übernachten. Gegenüber am Strip findet man alles, was ein Traveller braucht. Benzin, etwas zum Essen und mehrere Internet Cafe’s mit schnellem Access.


Schieferwände am Border

Am nächsten Morgen fahre ich zum Maligne Lake und wandere auf den Opal Head. Zum Übernachten stelle ich mich am Abend an den Medicine Lake, ein Schlafplatz mit herrlicher Aussicht. Beim Frühstück beobachte ich hier, wie sich die Morgenwolken verziehen. Busse bringen schon um 8:30 Uhr viele Touristen an den herrlichen Aussichtspunkt, an dem ich die Ehre hatte, den Abend, die Nacht und den Morgen zu erleben. Gegen 9 Uhr aber fahre ich bei herrlichem Wetter die schöne Strasse runter nach Jasper. Dort tanke ich aber nur und fahre gleich wieder auf den Highway 16 und in Richtung Edmonton.

Schon nach ein paar Kilometern nimmt mich die interessante Geologie gefangen, die mich heute nicht mehr los lässt. Auf der linken Seite kommen Les Palisadas in Sicht. Das ist eine kilometerlange Mauer, die sich bis zu 850 Meter über die Strasse erhebt und dort in den Wolken verschwindet. Acht Wochen später klettere ich auf die Palisaden und bewundere von oben das herrliche Panorama. Es ist ganz klar, das ist geschichtetes Sedimentgestein und an dieser Wand sind die Gletscher entlang geschrammt. Ich finde in meinen Büchern nichts darüber. Das Palisaden Center, zu dem ich hinfahre, erweist sich als normale Lodge.

Gegenüber, auf der anderen Seite des Flusses, ein genau so beeindruckendes Szenario: Ein Bergrücken mit vertikaler Schichtung. Aber da wo die Schichten an die Oberfläche kommt, sammelt sich Humus und wachsen Bäume. So betonen die Bäume die Struktur der Schichtung.

 

Das sieht hervorragend aus:

Um diesen Bergrücken macht die Strasse eine Kurve, es geht nach rechts und über den Athabasca River. Dieser Fluss fliesst hier senkrecht auf eine Wand zu, die wie ein langgestrecktes Ei an der Brücke liegt: Wasser und der Gletscher haben ganze Arbeit geleistet die Barriere wurde durchbrochen und dabei glatt und rund geschliffen.

Ich klettere auf den glatt geschliffenen Felsen, mache Fotos, fahre noch einmal auf der Strasse zurück, damit ich das Ei von der anderen Uferseite fotografieren kann. Dann bin ich ziemlich sicher: Das muss Kalkstein sein!!! Ich weiss zwar nicht, wo der hier herkommen soll, aber ich bin mir ziemlich sicher, das ist ein dickes Reef, das um ca. 60° angekantet hier in der Landschaft steht! Der ganze Bergrücken, an dessen Flanke die Bäume die Schichtung betonen, ist ein steil aufgestelltes, vorzeitliches Reef. In Miette Hot Springs finde ich Informationen über die Geologie dieser Gegend: Das Reef ist 360 Millionen Jahre alt.

Die Landschaft in Richtung Pocahontas ist ganz eigenartig. Sie ist so weiträumig. es gibt viele kahle Stellen, von Gletschern glatt polierte Felsen. Viel Wasser, den grossen Jasper Lake und die wildesten Berge auf beiden Seiten. Am Jasper Lake mache ich eine Pause und koche mir Kaffee. Eine riesige Felsbarriere über dem Lake auf der rechten Seite. Alles geschichtetes Gestein.

Als ich weiter fahre, muss ich ständig anhalten, der breite Indian River kommt auf der linken Seite ins Bild. Hier hat die North West Company schon im Jahr 1813 das Jasper Haus als Depot für die Reisenden errichtet, die den Athabasca Pass der Rocky Mountains überquerten.

Ein paar Kilometer weiter auf der linken Seite ein Massiv mit zwei markanten Gipfeln. Dort sieht man, wie die Schichten trogförmig gebogen und dann zu einer fast vertikalen Wand quer zur Schichtung zersägt worden sind (s.u.). Ich stelle mich an die Seite und sehe 20 Minuten zu, wie die Wolken über dieses Gebirge ziehen. Ich warte darauf, dass diese senkrechte Wand mit den gebogenen Schichten in der prallen Sonne steht. Es ist unglaublich, dass sich Sedimentgestein so extrem verbiegen lässt.

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Trogförmig gebogen und dann quer zur Schichtung zersägt ...