BACK

 

5000 Kilometer durchs Outback

 

 

 

 

 

 

 

EIN OSSI
IST ZU EHRLICH

23. September 1998, Mittwoch

 

Heute habe ich wieder mal Lehrgeld bezahlt, genau 190,81 australische Dollar. Ohne meine DDR-Vergangenheit w�re mir das nicht passiert, da h�tte ich mich ganz selbstverst�ndlich anders verhalten.

Schlecht geschlafen habe ich in dieser Nacht. Direkt neben meinem Cabin ohne Airconditioner steht ein solcher mit Klimaanlage. Gegen 22:30 Uhr kamen die Leute, die darin wohnen, nach Hause, sie guckten offensichtlich nicht auf das Thermometer, das zeigt n�mlich nur 22 Grad, sondern sie schalten als erstes den Airconditioner ein. Der ratterte dann mit kurzen Unterbrechungen die ganze Nacht. Damit wurde dort 21 Grad erreicht – h�chstens, denn sonst friert man ja! Na gut, auch daran kann man sich gew�hnen, in der n�chsten Nacht schlafe ich bestimmt besser. Aber mit dem Zelt w�re mir das nicht passiert. Das kann man innerhalb von 10 Minuten problemlos an einen ruhigen Ort stellen.

Um 7 Uhr stehe ich auf, Fr�hst�ck mit zwei Tassen Tee und den neuesten Nachrichten aus dem Fernseher. Dann steige ich gegen 7:45 Uhr das letzte Mal in mein sch�nes Auto, bis um 9 Uhr muss ich es heute abgegeben haben, sonst kostet es weitere 85 Dollar. Ich fahre in Richtung Flughafen und tanke ein letztes Mal, denn der Tank muss bei Abgabe voll sein. Kein Problem, der Liter kostet hier 69 C. Der Benzinpreis schwankt �rtlich ganz erheblich und bewegt sich zwischen 64 C (Charters Towers) und 75 C (irgendwo im Bush).

Dann dachte ich daran, was ich meinem Freund Conny von diesem sch�nen Auto erz�hlen werde. Dabei wird er sicher fragen, wie schnell f�hrt er und wie schnell beschleunigt er von Null auf 100 km/h? Jetzt kann nicht mehr viel passieren, jetzt werde ich mal die Beschleunigung testen. Ich fahre ein St�ck in Richtung Mossman und als das Schild ‚100 km/h‘ kommt, halte ich an und lasse den Verkehr erst mal vorbei. Dann ist Ruhe, die Strasse ist leer und ich trete das Gas voll durch. Was passiert ?! Die R�der sind nach h�chstens 2 sec. auf 100 km/h, aber das Auto steht fast noch, es f�hrt h�chstens mit 30 km/h !! Haftungsprobleme: Wie bekommt man die Leistung dieses 4-Liter-Motors auf die Strasse? Es regnet wieder mal, kein Platzregen, aber ziemlich stark. Bei trockener Strasse w�re es einfacher. Ich versuche es noch mehrmals und es ist ganz entscheidend eine Frage der Dosierung des Gaspedals, besonders am Anfang. Die R�der d�rfen nicht durchdrehen, sonst hat man verloren. Je nach Untergrund braucht man bei N�sse 5 bis 7 sec bis diese Maschine 100 km/h erreicht hat. Ohne ‚Oeko-Mode‘ f�hrt er den ersten Gang voll aus und kommt dann im zweiten Gang bis auf 100 km/h !! Also mein Freund Conny, da hilft auch wieder nur Training und es ist kein Problem, die Reifen zum Qualmen zu bringen. Die 180-KW-Maschine macht schon ganz sch�n Dampf. Aber Vorsicht: Beim Durchdrehen rutscht das Hinterteil u.U. nach links oder rechts weg (Starrachse mit Hinterradantrieb).

Nach diesen Spielereien drehe ich um und fahre in aller Ruhe zum Flughafen, stelle das Auto bei Kilometerstand 8060 (5060 Kilometer bin ich gefahren) in die Box 6/7 von Hertz und sage Tsch�ss zu dem sch�nen Schlitten.

Bei Hertz empf�ngt mich die gleiche Dame, die mir den Wagen vor drei Wochen �bergeben hat. ‚So schnell vergeht die Zeit ...‘, sage ich. Dann wickeln wir den Schriftverkehr ab. Sie nimmt den Schl�ssel entgegen, gibt mir die 100 $ Kaution wieder – und das war’s. Sie macht �berhaupt keine Anstalten, den Wagen zu besichtigen und seinen Zustand zu �berpr�fen. Man hat mir ja auch bei der �bergabe nicht den Wagen, sondern nur den Schl�ssel �bergeben. F�r jeden anderen w�re damit die Sache erledigt gewesen. Ich Idiot aber fange an, von der Beule in der Kofferklappe zu reden !! ‚Es ist nur eine ganz kleine Beule, ich weiss nicht, wie und wo es passiert ist, eines sch�nen Morgens war sie da. Ich will es nur gesagt haben!‘ ‚War die Beule (the bump) schon da, als Sie das Auto �bernommen haben?‘ Vielleicht sollte diese Frage eine Eselsbr�cke sein ... ! Ich Esel merke nichts und sage: ‚Nein, eindeutig, da war die Klappe noch in Ordnung!‘ Sie telefoniert, ein ‚Spezialist‘ guckt sich die Beule (ohne mich) an. Nach 5 Minuten kommt er an den Stand und sagt zu mir: ‚Also das ist ja wirklich nur eine ganz kleine Beule, kein Problem, kein Lackschaden, Kofferklappe ausbauen, Ausbeulen, Kofferklappe einbauen ... mach zwei Arbeitsstunden a 85 $ also 190 $.‘ Ich bin sprachlos! Nicht �ber meine Bl�dheit, sondern �ber den Preis! Aber als Gegenargumentation f�llt mir nichts ein, denn ich hatte damit �berhaupt nicht gerechnet, dachte, es w�rde wegen Geringf�gigkeit unter den Tisch fallen. Wenn �berhaupt hatte ich an h�chstens 50 $ f�r die ‚Kaffeekasse‘ gedacht. Ich sage etwas von einem ‚unfairen Preis ...‘ Darauf meint der Spezialist k�hl und mit der gleichen undurchdringlichen Mine, die auch die Dame an den Tag legt, ich k�nnte selbstverst�ndlich den Wagen auch gerne wieder mitnehmen (85 $ pro Tag ...) und die Beule dort beseitigen lassen, wo man es billiger macht !! ‚F�r uns ist das kein Problem!‘ Recht hat er, denn er hatte bei so einem Bl�di wie mir, alle Tr�mpfe in der Hand. Wenn er drei Stunden angesetzt h�tte oder sogar f�nf, was h�tte ich dagegen sagen sollen? Also ich zahle und ich zahle auch noch 81 C f�r eine unbekannte Steuer und bin um eine, nicht so sehr neue, Erfahrung reicher.

Hatte ich mich nicht erst gestern bei Clintons Aff�ren �ber L�ge und Heuchelei ausgelassen? Wenn ich dort gerade beobachtet habe, wie hemmungslos die Leute auch in der ausweglosesten Situation l�gen, wie komme ich Idiot dazu, ohne dass ich gefragt werde, von dieser bl�dsinnigen Beule zu reden ??! Erstens h�tten sich die Leute hier in meiner Gegenwart das Auto nicht angesehen. Zweitens ist es aussichtslos, hinterher in Europa eine solche kleine Beule zu reklamieren. Drittens h�tte ich m�helos abstreiten k�nnen, dass die Beule von mir ist, wenn sie das Auto in meiner Gegenwart kontrolliert h�tten, denn sie haben mir das Auto bei der �bergabe nicht als einwandfrei vorgef�hrt. Das ist alles so logisch, so sonnenklar und so einleuchtend: Warum muss ich mir hier so viel prinzipielle Ehrlichkeit leisten ?? Ich habe nur eine Entschuldigung: Ich habe in meinem Leben an entscheidenden Stellen nie gelogen: Ich kann es einfach nicht. Sicher h�ngt das auch ganz stark damit zusammen, dass ich 40 Jahre in der DDR-Notgemeinschaft gelebt habe. Dort hat man sich gegenseitig einfach nicht angelogen. Jedenfalls deutlich weniger, als hier in diesem System. In der atheistischen DDR z�hlten noch die christlichen Werte: Du sollst nicht l�gen!

Aber das n�chste Mal, wenn ich ein Auto miete ... ! Dann werde ich an die klitzekleine Beule denken, die man kaum sah und die dann 190,81 australische Dollar gekostet hat !! Und dann werde ich ... Aber ich glaube, ich werde auch beim n�chsten Mal gr��te Schwierigkeiten damit haben, meinem Gegen�ber in die Augen zu sehen und ihm eine Geschichte zu erz�hlen, die absolut nicht der Wahrheit entspricht. Keiner kann aus seiner Haut.

Aber Du, mein Freund Conny, Du musst es besser machen und Dich an die Pr�misse halten: Egal was passiert ist und was Du angestellt hast: Streite es ab: DU warst es nicht !! ‚Clever‘ nennt man in der parlamentarischen Demokratie ein solches Verhalten. Es kommt nicht auf Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern auf die Rechtslage und den besseren Rechtsanwalt an. Es ist wirklich unsinnig, als ehrlicher Mensch durchs Leben kommen zu wollen. Wer ehrlich ist, ist bl�d. Im Kapitalismus ist Clevernis viel wichtiger als Ehrlichkeit und Intelligenz. Smart und clever muss man sein und jederzeit in der Lage, eine perfekte Personality Show abzuziehen. Warum sind das alles Begriffe aus der englischen Sprache ?! Von Amerika lernen, heisst siegen lernen.

12:00 Uhr, Sunland CaravanPark, Cairns

Nachdem ich mir diese Lehren sehr zu Herzen genommen habe, mache ich ein Spar-Mittagessen in meinem Cabin und sehe mir die TV-News an. Dann legte ich mich zu einem sch�nen Mittagsschlaf aufs Bett, von dem ich erst um 14:30 Uhr wieder erwachte. Der Container ist aufgeheizt: 33 Grad. Draussen vor der T�r weht ein frischer Wind und es sind nur 29 Grad. Ein deutlicher, sehr angenehmer Unterschied. Ich setze mich unter das Vordach und lese in B�chern und Prospekten, was mich im Kakadu Nationalpark erwartet: Great! Dann packe ich mein zum Trocknen aufgeh�ngtes Superzelt ein und mache mich stadtfein. Um 15:41 Uhr nehme ich den Bus, der mich f�r 2,15 $ in 10 Minuten direkt ins Zentrum bringt. Ich erkundige mich, wo und wann das ‚Reef Teach‘ stattfindet, gucke mir die vielen Gesch�fte an und �berlege, was f�r mich immer das schwerste jeder Reise ist: Was soll ich den Leuten in der Heimat mitbringen? F�r die Schnorcheltour brauche ich noch zwei T-Shirts. Die sind �berall f�r 8 bis 10 $ zu haben. Nat�rlich gibt es auch welche f�r 50 $. Ich leiste mir einen Cappuccino und ‚Hazelnut‘-Torte – das schmeckt hervorragend, die Torte weckt bei mir Erinnerungen an Wien! Kaffee und Torte kosten 6,40 $ –kein Vergleich mit Amrum, wo schon eine Tasse Tee alleine 6,90 DM kostet! Bei meinem Schlenderspaziergang entdecke ich einen Opal-Laden, der mich schwach werden lassen k�nnte ... Solche sch�nen Steine! Aber alles, was mir gef�llt, kostet �ber 250 $. Es gibt aber auch Steine f�r 20.000 $ – herrlicher Wahnsinn !!

 

 

Das Reef Teach beginnt um 18:15 Uhr und ist buchst�blich eine Personality Show, wie man sie eben nur in der Marktwirtschaft erleben kann: Jeder der 60 Leute, die sich hier eingefunden haben, hat 10 $ bezahlt. Welche Gegenleistung bekommt man au�er Tee und Cookies daf�r?. Eine Stunde lang produziert sich ein schm�chtiger, mittelalterlicher Mann mit einem Vortrag zu ca. 40 Dias. Seine Stimme schwillt an, er redet, er singt, er schreit und verebbt bis zur hoch dramatischen Lautlosigkeit. Er benutzt H�nde, F�sse, sein ganzen K�rper ist eine riesenhafte deklamatorische Geste. Er schreitet, er tanzt, er springt an die W�nde, nur auf dem Kopf hat er nicht gestanden, ansonsten hat er alle Register in seiner Show gezogen! Warum soviel Wind, ich wollte doch gar nicht ins Theater gehen? Ich wollte Informationen �ber das Great Barrier Reef, mehr nicht ?! Etwas wirklich Neues �ber das Great Barrier Reef habe ich nicht erfahren. Die Namen der vielen Fisch- und Korallenarten sind f�r mich weitestgehend uninteressant. Das beste war, dass ich hier eine recht gute Karte vom Great Barrier Reef f�r 3 $ kaufen konnte, die eine hervorragende �bersicht �ber dieses riesige Riff bietet. Die Dias waren nur z.T. wirklich gut, am spektakul�rsten ist das Riff selber, durch seine Ausmasse, durch die Vielfalt der hier lebenden Arten und durch seine ungeheure Komplexit�t als einheitlicher, �kologischer Organismus. Absolut irre, dass jedes Jahr im November, gesteuert durch eine bestimmte Position des Mondes, das gesamte Riff auf 3000 Kilometer L�nge und 50 bis 100 Kilometer Breite in ein und der selben Nacht in einen einzigen, universellen Orgasmus verf�llt. Wie das funktioniert, das soll mal einer erkl�ren! Psychologisch interessanter als der Inhalt, war die Show selber. Wieder ist nur der erstaunt, der 40 Jahre in der DDR isoliert gelebt und gearbeitet hat. Dort gab es �berhaupt keinen Grund, sich fast bis zur Prostitution f�r die ‚Kunden‘ zu produzieren. Hier aber ist es genau umgekehrt, es geht nur um den Kunden und nichts ist ausgeschlossen und alles erlaubt, wenn es nur die Kundschaft anlockt. Dieser Mann lebt (nicht schlecht) davon, dass jeder, der von Cairns aus einen Ausflug ins Great Barrier Reef macht, von seinem Reiseveranstalter erf�hrt, dass er sich vorher unbedingt ‚Reef Teach‘ gesehen haben muss: Ohne Reef Teach keine noch so kleine Ausfahrt ins GBR, Reef Teach ist die Mindestqualifikation, die jeder mitzubringen hat. Nach dem Finale des Kraftaktes ist Entspannung bei Tee und Smaltalk angesagt und es gibt jede Menge zu kaufen: Literatur, Souvenirs, Karten und Videos. Ein sehr gutes Buch �ber das Riff kostet 13 $, aber wie schleppe ich das alles nach Europa?

Um 19:30 Uhr gehe ich zum Night Market, denn ich habe Hunger – kein Vergleich zu der gleichen Veranstaltung in Kota Baru, Malaysia. Hier ist das eigentlich nicht mehr als eine nicht sehr grosse Markthalle die den Vorzug hat, dass sie auch noch nach 18 Uhr ge�ffnet ist. Neben endlosen Souvenirl�den gibt es auch viele St�nde mit ganz unterschiedlichem Essen. Ich bestelle mir eine ganz gute, asiatische Suppe und beobachte die vielen Touristen. Deutlich ist zu sehen, dass Japan, die Philippinen und China nicht sehr weit weg sind, viele Menschen aus diesen L�ndern fahren hier als Pauschalreisende her. Auch drei M�dchen aus Deutschland laufen mir �ber den Weg. Hier ist der Rummelplatz f�r die Touristen. Regenwald und Outback werden nicht viele dieser Menschen hier bei ihrem Trip zu sehen bekommen. Die Hotels und Ausfl�ge haben sie komplett noch zu Hause gebucht, jetzt geht es nur noch darum, den unvermeidlichen Boomerang, das Didgeridoo und das kuschelige Koala-Baby (20 St�ck f�r 12 $, 4 cm gross, Made in China) einzukaufen. Ich nehme den Bus und fahre gegen 21 Uhr wieder zur�ck zu meinem CaravanPark. Man k�nnte diese Strecke auch leicht in 30 bis 40 Minuten laufen, jetzt ist es auch angenehm k�hl, so um die 24 Grad.

Ab heute bin ich ohne Auto in Australien. Au�er, das ich um eine wesentliche Erfahrung reicher bin, ist nicht viel passiert. Ein Ruhetag. Morgen gehe ich noch einmal in die Stadt, denn es gibt ein Heimatmuseum, eine Kunsthochschule, mehrere Galerien. Ich buche nicht noch eine Tour in die n�here Umgebung von Cairns. So viel Spektakul�res gibt es hier nicht und man kann einfach nicht alles auf einmal sehen. Aber im Nightmarket habe ich noch ein Internet-Caf� entdeckt: Eine Stunde kostet dort 6 $. Da muss man sich am Abend anstellen, alle der 12 bis 15 Computer waren besetzt! Aber morgen vormittag wird dort nicht soviel los sein, da werde ich mal nachsehen, ob Mails aus Europa f�r mich eingegangen sind.

Jetzt gibt es gleich noch einmal News aus aller Welt vom australischen Fernsehen. Deutschland kommt darin nicht vor! Wie sich die Bilder gleichen: In Deutschland gibt es keine Nachrichten aus Australien. Aber man kann hier am Morgen Deutsche Welle TV empfangen. Gestern habe ich �ber diesen Sender etwas von Sch�nhubers DVU im mecklenburgischen Wahlkampf gesehen ... Wie weit ist das weg!

21:58 Uhr, Sunland CaravanPark, Cairns

 

 

 

 

 

 

BLUTEGEL UND
E-MAILS – FOR EVER

24. September 1998, Donnerstag

 

Als ich heute aufwache denke ich, es wird wohl schon 10 Uhr sein. Die Sonne scheint, Vogelstimmen, einer von den V�geln schreit immerzu ‚for ever ... for ever .. !‘ Aber es ist erst 6:20 Uhr und ich habe trotz der nebenan ratternden Klimaanlage und Autoger�uschen hervorragend geschlafen. Alle Fenster und T�ren sind auf (sie sind mit Gaze gegen M�cken ausgestattet, die es aber z.Z. hier nicht gibt). Dadurch weht ein leichtes L�ftchen durch mein Cabin, es sind nur 22 Grad: What a world !! Ich gehe Duschen und Rasieren. Auf dem Weg dorthin treffe ich die kleine, alte Asiatin, die hier Tag und Nacht an den Waschmaschinen und Trocknern werkelt. Sie ist offensichtlich ein Dauercamper und vielleicht ist das W�schewaschen ihr Job, mit dem sie sich die Standgeb�hren auf diesem CaravanPark erarbeitet. Wir kennen uns schon, begr�ssen uns freundlich und sie zeigt auf den strahlend blauen Himmel: ‚What a weather !!‘ Wie recht sie hat. Ich fr�hst�cke, packe meine Sachen und um 8 Uhr laufe ich mit Rucksack und zu Fuss zum botanischen Garten. Das ist nicht weit, ca. eine halbe Stunde. Am Morgen l�uft es sich auch ohne Hut – den habe ich vergessen – recht angenehm.

Der botanische Garten ist keine gestylte Anlage. Es ist einfach gelungen, hier ein St�ck von dem Rainforest stehen zu lassen, der hier schon immer stand. Durch diesen Urwald f�hrt ein Holzbohlenweg, es sind nur ca. 500 Meter, aber sofort sp�rt man diese ganz eigenartig riechende, k�hle Luft, die typisch f�r den Regenwald ist. Das war auch das Besondere an der Heritage Lodge: Diese Luft, diese nat�rliche Klimatisierung – das ist einmalig und unvergleichlich. Und dann diese riesigen B�ume und der Regenwald mit den unterschiedlichsten B�umen, B�schen und Pflanzen. Man kann nach rechts und links nicht weit sehen, man hat auch nach oben nur einige Meter Sicht. Der Regenwald ist in vielen Etagen dicht besiedelt. Hier greift auch der Mensch nicht ein. Man l�sst den Wald v�llig in Ruhe. Auf dem Freshwater- Lake sind die einzigen Blumen zu sehen, die es hier in dieser Winterzeit gibt: Tellergrosse, weisse Seerosen. Unterwegs, bei meiner Regenfahrt nach Cairns, sah ich einen Strassengraben voller solcher Seerosen. Ein sch�nes Bild, aber es hat so schrecklich gegossen ... Deswegen gibt es davon kein Foto. Schade.

Ausser diesem relativ kleinen St�ck Regenwald, einer Wiese mit hohen, alten B�umen, einem S�ss- und einem Salzwassersee und langen Wegen, bepflanzt mit vielen unterschiedlichen Palmen, ist hier nichts zu sehen. Das reicht ja auch. Bei einigen jungen Palmen am Weg habe ich den Eindruck, dass sie f�rmlich aus dem Untergrund explodieren. Wie eine Blitzlichtaufnahme einer Eruption stehen sie da, strotzend vor Kraft, Gesundheit und Lebenswillen. Die Palmwedel sind am unteren Ende dicker als mein Oberarm. Die Konstruktion ist im Detail wieder so perfekt, so ausgewogen so lupenrein ... eigentlich ist sie unwirklich. Eigentlich sieht es mehr nach einem gestylten Computermodell, nach einem ‚fotorealistischen Bild‘ aus. Unbegreifliche Natur!

Vom Botanischen Garten l�uft man nur ein paar Minuten bis zum Highway Number One, der in Richtung Daintree und Townsville f�hrt. Die Bushaltestelle, an der ich eine Weile warte, stellt sich als falsch heraus. Ich will genau in die andere Richtung: Das typische Problem eines Fussg�ngers im Linksverkehr!

 

 

Gegen 9:30 Uhr bin ich schon im Nightmarket. Hier ist das Zentrum der Backpackerszene. Alles ist um diese Zeit noch zu, aber der Internet Service hat auf! Hotmail funktioniert und ich habe schon Antwort auf meine gestrigen E-Mails von Karl, Silke, Stefan und Tanja. Das ist doch eine tolle Technik !! Ich schreibe eine Stunde und 10 Minuten diverse Mails nach Deutschland. Das macht 8 $. H�tte ich die vielen Nachrichten �ber Fax abgesetzt, ich denke, es w�re 5 bis 8 mal teurer geworden! Hotmail (von Microsoft) ist wirklich HOT !! Ich stelle fest, dass es inzwischen auch bei Netscape so einen Dienst gibt. Wahrscheinlich sind das nicht die einzigen Anbieter. Damit ist E-Mailing DAS Kommunikationsmittel f�r Leute, die viel auf Reisen sind!

Nachdem ich hier im Nightmarket beim Schreiben noch einen Kaffee getrunken habe werde ich mal gucken, was die �rtliche Kunstschule macht.

11:20 Uhr, Nightmarket, Cairns

 

 

Es ist 13 Uhr und ich sitze unter den alten B�umen der Promenade von Cairns. Hinter mir die belebte Gesch�ftsstrasse, die Traveller-Szene und der Nightmarket, vor mir die See. Gerade startet links eine Boing 707 vom Airport Cairns. Sie schraubt sich �ber dieser Beach in einer langen Schleife in die Luft. Es ist Ebbe. Viele Wasserv�gel stochern im Schlick des Wattenmeeres herum. Reiher, M�wen und kleine, schwarze Enten. Im Hintergrund Berge, an denen nur ganz rechts immer noch die Wolken des Morgens h�ngen. Aber es gibt heute auch sehr hohe Wolken, sie sind eigenartig strukturiert, sehen wie Stofffetzen mit ausgefransten R�ndern aus. Direkt gegen�ber der Promenade auf der rechten Seite der PIER, ein grosser Shopping- und Hotelkomplex. Die Skyline von Cairns aber bestimmen die Hotels hinter mir. Es sind ca. 10 Hochh�user mit bis zu 20 Stockwerken. Gestern abend habe ich gesehen, dass sie h�chstens zu 10 % ausgebucht sind. Deshalb wird �berall mit Discount-Angeboten geworben, aber unter 60 $/night ist nur bei Budget Accommodations etwas zu haben.

Auf der Promenade ist jetzt in der Mittagshitze nicht viel los. Ein paar P�rchen machen Picknick auf dem Gras unter diesen herrlichen B�umen. Tauben, M�wen und sehr sch�ne, dunkle, schillernde V�gel, die so �hnlich wie Drosseln aussehen, warten auf Futter von den Touristen. Es gibt auch jetzt hier Leute, die auf der Promenade joggen. Man wird gesehen, da f�llt das Training wohl leichter. Heute morgen habe ich im Botanischen Garten Schilder gesehen: ‚!! Jogging and Dogs prohibit !!‘ Das ist eigenartig. Die Australier scheinen auf Hunde nicht gut zu sprechen zu sein. Am Eingang der meisten CarParks steht ein Schild: ‚Sorry ... no Dogs !‘ Auch hier sind wieder viele der Touristen aus Asien. Sie flanieren hier mit Sonnenschirm oder Baseball-Kappen. Sehr viele alte Menschen sind dabei und junge Leute im Alter von Studenten. Die mittelalterliche Generation ist am st�rksten mit Job und Karriere besch�ftigt. Kinder spielen, manche Traveller lassen sich sogar in der Sonne braten! Zwei Japaner oder Koreaner versuchen, dem langen Didgeridoo ein paar T�ne zu entlocken, das sie sich gerade als Souvenir gekauft haben. In den L�den der Gesch�ftsstrassen und Passagen ist jetzt Hochbetrieb: Es ist Lunchtime.

 

 

Ich habe versucht herauszubekommen, ob es in Cairns eine Kunstschule gibt. An einem alten Geb�ude in der Innenstadt steht die Inschrift ‚School of Art‘. Das war einmal. Jetzt ist in diesem Haus das Heimatmuseum untergebracht. Ich habe es besucht. Es ist etwas besser, als die bisherigen Museen, aber auch ziemlich lieblos und unsystematisch eingerichtet. Auch hier gibt es wieder viele Fotos aus der Pionierzeit, die sehr interessant sind. Die Zeit, die sie so lebendig zeigen, liegt erst 80 bis 100 Jahre zur�ck, aber sie ist mit der heutigen �berhaupt nicht mehr vergleichbar. Was muss das f�r ein schweres Leben gewesen sein! Wenn man sieht, wie damals die M�nner im Regenwald den riesigen B�umen nur mit der Axt zu Leibe gegangen sind, das ist kaum noch vorstellbar: Diese B�ume hatten 3 bis 5 Meter Durchmesser und Brettwurzeln, die aus riesigen Fl�chen bestanden! Sie haben erst L�cher in den unteren Stamm gehauen, haben dort Trittstufen hinein geschlagen und sich so bis in eine H�he von ca. 5 bis 8 Metern hoch gearbeitet. Dort oben haben sie eine Galerie gebaut und mit dem F�llen des Baumes begonnen: Die Axt war daf�r das einzige Werkzeug! Auf diese Art haben sie die gewaltigen Brettwurzeln umgangen, die das F�llen des Baumes weiter unten offensichtlich unm�glich gemacht haben. War der Baum gefallen, wurde er in 10-Meter-St�cke ges�gt, die dann mit Ochsengespannen (ohne Wagen !) aus dem Regenwald geschleift wurden. Sp�ter wurden daf�r auch Schienen gelegt und Eisenbahnloren eingesetzt. Die S�gewerke wurden mit Dampfmaschinen angetrieben. Auf diese Weise wurde viel Holz gleich an Ort und Stelle verheizt ...! Aus Mahagoni wurden Bretter und Bohlen ges�gt: Das ganz normale Bauholz in den Tropen. Und das alles ist keine 100 Jahre her. Diese wenigen Jahre aber haben gereicht, um ganze Arbeit zu leisten: Jetzt ist nirgends mehr auch nur ein solcher grosses Baum zu sehen.

 

 

Von einer Universit�t oder einer Kunsthochschule hat hier noch keiner etwas geh�rt. Ich fragte an mehreren Info-St�nden und in Galerien. Im Infocenter, hier gleich am Anfang der Promenade, wusste die Dame hinter der Rezeption: ‚Ja, in Cairns gibt es die James Cook University!‘ Jetzt fiel mir ein, dass ich so ein Schild gleich am ersten Tag n�rdlich von Cairns gesehen habe. ‚Was gibt es da f�r Fachrichtungen?‘ ‚Alle !‘ Das ist doch wenigstens eine klare Antwort! Glauben aber kann man das nicht, obwohl diese Dame mehrfach ihre Aussage bekr�ftigt: Eine grosse Universit�t mit allen Fachbereichen. Sie erkl�rt mir auch, mit welchem Bus ich zur Universit�t fahren kann. Ich bedanke mich und gehe. An der T�r f�ngt mich ein junges M�dchen mit unverkennbar asiatischem Einschlag ab: ‚Some questions please...‘ F�r eine Marketingstudie will sie mir wenige Fragen stellen, es geht ganz schnell. Sie fragt mich mindestens 20 Minuten in jeder Richtung aus, es geht um meine Bed�rfnisse als Tourist und mehrmals wird nach meinem Budget gefragt. Grosse Verwunderung, dass ich kein Budget habe ... Anschliessend interviewe ich sie als Ausgleich: Sie ist 26 Jahre alt, hat in Sydney Informationstechnologie studiert und einen Abschluss als Bachelor. In Cairns wollte sie bis zum Master weiter machen. Das war an der hiesigen University nicht m�glich. Sie kennt die hiesige Hochschule genau, die ist ganz klein, auf Verwaltung und kommunales Management ausgerichtet. Kein Vergleich mit einer europ�ischen Universit�t. Dort gibt es weder eine Fachrichtung f�r Computer noch eine f�r Kunst. In Cairns eine Arbeit zu finden, ist auch f�r sie mit dieser gut passenden Ausbildung schwer. Sie hat nur einen zeitlich begrenzten Job als Interviewer und �berlegt sich, wieder nach S�den zu gehen. ‚Thank you and good luck !‘ Dieses freundliche M�dchen hat mir einen halben Tag geschenkt, denn ohne ihre Informationen w�re ich raus zu dieser ‚University‘ gefahren.

Jetzt fotografiere ich die alte School of Art und gucke mir Opale an. Dann fahre ich in mein Cabin und mache erst mal Mittagsschlaf. Schliesslich habe ich ja Urlaub.

13:35 Uhr, an der Promenade in Cairns

Heute wurde nichts aus dem Mittagsschlaf. Erstens waren es wieder 33 Grad in meinem Container, zweitens wollte ich W�sche waschen, weil sich zur Zeit an den Waschmaschinen keiner bet�tigte und drittens traf ich im Waschraum Heinz aus N�rnberg oder Regensburg. Er fragte mich auf English, indem er auf seine Beine zeigte, was ich denn davon halten w�rde? Seine nackten F�sse standen in einer kleinen Blutlache. Die Waden, die Kn�chel und die F�sse, alles war rot von Blut und das Blut lief immer noch aus vielen kleinen L�chern ...! Das war das Werk von Blutegeln. Heinz kam gerade von einem Trip aus dem Regenwald zur�ck, 40 Kilometer s�dlich von Cairns. Dort gibt es einen (schlechten) Wanderweg, auf dem man bis in eine H�he von 900 Metern vordringen kann. Das hat Heinz nicht geschafft, er setzte auf Sicherheit und kehrte um, als er merkte, dass die Zeit knapp wurde. Er hatte die richtigen Outdoor-Wanderschuhe an (�hnliche, wie ich sie mir gerade gekauft habe ...) und hat nicht gemerkt, wie die sich mit Blutegel gef�llt haben. Erst, als er hier im Camp seine Schuhe aufmachte, sah er die Bescherung! Die Blutegel beissen sich fest und spritzen ein Sekret in die Wunde, das die Blutgerinnung verhindert. An dieser Stelle wird der Mensch f�r Stunden zum Bluter. Das Blut l�uft noch lange ungehindert aus den kleinen Wunden, auch wenn sich die Blutegel vollgesaugt und l�ngst wieder ihr Opfer losgelassen haben. Das ist kein grosses Problem, man muss nur die Nerven behalten. Nach ein paar Stunden gibt sich das von ganz alleine wieder. Wir stellten schnell fest, dass wir uns auch in Deutsch unterhalten k�nnen. Ich konnte ihn beruhigen. Heinz hatte bisher keine Erfahrungen mit Blutegeln gemacht und er war deswegen ziemlich aufgeregt. Er ist der erste den ich treffe, der auch alleine unterwegs ist. Er hat wohl gerade die Trennung von einer Frau hinter sich und versucht, dieses Problem durch einen Australien-Trip zu bew�ltigen.

Ich wasche W�sche, sortiere die Sachen aus, die ich mit auf das Schiff nehmen werde. Mit der Dame an der Rezeption habe ich gekl�rt, dass ich den grossen Rucksack hier deponieren kann. Nachdem ich ihr meinen besten und einzigen Campingstuhl geschenkt hatte, sind wir jetzt dicke Freunde. Es w�re aber auch ohne besondere Geschenke gegangen – dieser Service ist allerdings ohne Gew�hr.

Dann klopft Heinz an die T�r und fragt, ob ich mit ihm Abendbrot essen gehe. Na klar, das muss doch gefeiert werden, dass sich zwei einsame M�nner treffen. Wir gehen in ein angenehmes Restaurant in der unmittelbaren Umgebung des CarParks. Ich nehme Seafood und Heinz w�hlt ein Steak. Mein Essen kostet mit Vorsuppe und Juice 12 $. Es ist wirklich gut und so viel, dass ich nicht mal alles schaffe.

Ich frage, Heinz erz�hlt. Er ist Filialleiter einer Bank und ca. 35 Jahre alt. Ein angenehmer Mensch mit vern�nftigen Ansichten, nicht verbissen oder versponnen. �ber den Osten weiss er kaum etwas, er lebt eingebettet in Familie, b�rgerliche Traditionen und Beruf in einer Kleinstadt irgendwo zwischen N�rnberg und Regensburg. Er war vor ein paar Jahren schon mal in Australien. Jetzt ist er mit einem 4WD-Camping-Car unterwegs, das 190 $/day (!!) kostet. Damit ist er in knapp vier Wochen von Darwin �ber Alice Spring nach Cairns gefahren. In diesem Wagen kann man schlafen, eine K�che ist eingebaut und er ist so gross, dass auch eine Familie mit zwei Kindern damit auf Reisen gehen kann. Der Diesel frisst 12 bis 14 Liter/100 km. Unsere Outback-Erfahrungen sind �hnlich. Er war aktiver als ich, ist mehr gewandert und er hat sich auf diese Reise auch besser vorbereitet als ich. Er ist eine Strecke gefahren, die er in Deutschland schon einschliesslich der Etappenziele festgelegt hatte. Aber ansonsten hat er �hnliche Dinge wie ich unternommen und gesehen. Er hat das Auto in Darwin �bernommen und gibt es morgen in Cairns wieder ab. Auch das ist m�glich. Wir unterhalten uns zwei Stunden ganz nett, er spendiert mir ein Tonic, weil ich kein Geld mehr bei mir habe. Dann gehen wir gemeinsam ‚nach Hause‘. Vor dem Schlafengehen stellt er fest, dass seine Wunden nicht mehr bluten, dass es aber f�rchterlich juckt. Aber auch dagegen habe ich was: ‚Stingose‘ mein Wundermittel hilft auch hier.

Jetzt gehe ich in mein Bett, nachdem ich mir noch mal im Fernsehen die Nachrichten angesehen habe. Es sind die �blichen, t�glichen Katastrophen. Deutschland kommt nicht vor.

Opale habe ich heute gekauft !! Drei sch�ne Steine f�r relativ wenig Geld. Gesehen habe ich dabei Opale von 5 bis 14.000 Dollar, einige Steine (Querschnitte von Opal-Stangen, ca. 30 mm Durchmesser) waren unverk�uflich: Wahnsinn !! Bei Opalen k�nnte sogar ich meine ansonsten immer vorhandene Ruhe und Gelassenheit verlieren. Ganz anders als bei Saphiren. Ich war mindestens eine Stunde in dem Laden, habe mir alles mit Brille und Lupe gr�ndlichst angesehen und habe sehr sorgf�ltig nach Aussehen und Preis sortiert, was ich letztendlich f�r die ‚M�dchen‘ zu Hause in Berlin gekauft habe: Sch�ne Mitbringsel.

21:55 Uhr, an der Promenade in Cairns

 

 

 

 

 

 

 

DER BUSEN
AUF DEM TISCH ...

25. September 1998, Freitag

 

Gut geschlafen habe ich in der letzten Nacht an Land! Gegen 7:30 Uhr stehe ich auf, Fr�hst�ck und Einpacken. Heute ist der Tag, an dem ich mich unwiderruflich wieder auf zwei Rucks�cke reduzieren muss !! Das geht nicht, denn ich habe in den letzten Wochen nichts weggeschmissen, aber vieles eingekauft. Gott sei Dank und in weiser Voraussicht habe ich mir den blauen Seesack besorgt. Damit schaffe ich es so gerade, mein umfangreiches Eigentum zu verstauen. Den sch�nen Campingstuhl, den Spaten (schwer und hier nie gebraucht) sowie den Postkarton, den ich Conny schicken wollte (30 $ und mehr sollte das kosten ...) schenke ich der Dame an der Rezeption. Daf�r darf ich bis ans Lebensende wiederkommen und sie deponiert auch wochenlang mein Gep�ck. Heute lasse ich den grossen Rucksack hier. Eine Quittung gibt es unter Freunden daf�r nicht ...! Aber ich habe als Ossi ja viel Vertrauen und bin als Wessi in hohem Masse risikobereit – was soll hier schon schief gehen ?!

Um 10 Uhr verlasse ich den Sunland CaravanPark mit dem kleinen Rucksack und dem Seesack. Gerade kommt der richtige Bus vorbei und eine Viertelstunde sp�ter sitze ich schon am Rechner im Nightmarket. Stefan schickt mir ein ganz tolles Bild von Heidi �ber den heissen Draht: Offensichtlich ein Berg in �sterreich, den er gerade mit Heike und seiner Volleyballtruppe bestiegen hat. Hotmail ist grosse Klasse und funktioniert hervorragend !! Man braucht nicht mal einen Viewer f�r die Attachments, sie werden sofort unter dem Text der E-Mail angezeigt. Wirklich ein sch�nes Foto von Heidi, das auch meinen �sthetischen Anspr�chen voll gen�gt. Ich bedanke mich gleich bei Stefan mit einer Mail. W�hrend ich friedlich in Australien geschlafen habe, hat man ihn in Deutschland gequ�lt. Aber jetzt ist sein Weisheitszahn raus: Alles geht vorbei. Auch Conny schicke ich noch eine E-Mail. Er ist ja fast der einzige, von dem ich noch nichts geh�rt, von dem ich noch keine E-Mail erhalten habe !! Na, das kann ich verstehen, wenn man eine Stunde bis zu dem Rechner fahren muss, der einen Internetanschluss hat! Aber wenn ich vom Schnorcheln zur�ck komme, wird hier sicher auch eine Message von meinem besten Freund eingegangen sein. Dazwischen ist ja das Wochenende, das wird Conny sicher in meiner Bude verbringen. Dort wird er meine vielen Mails lesen. In 14 Tagen bin ich �brigens schon wieder zu Hause – die Zeit rennt !!

 

 

Nachdem ich die Post von und nach Europa erledigt habe, laufe ich mit Rucksack und Seesack an der Beach ganz nach draussen, in Richtung Airport. Nach zwei Kilometern ist die Promenade noch nicht zuende, es gibt immer noch Rasen und sch�ne, alte B�ume, aber kaum noch Menschen. Hier lege ich mich ab 11 Uhr unter einen sch�nen Baum ins Gras. Ich beobachte mein Thermometer, die Wolken, die startenden und landenden Flugzeuge, die Wasserv�gel, die Schiffe und das Meer und wundere mich: Auch wenn man sich kaum bewegt und gar nichts tut, die Zeit vergeht trotzdem! Unter Mittag messe ich 32� im Schatten. Wenn Wolken vor der Sonne sind, geht das Thermometer auch im Schatten sofort um 2� zur�ck. Meine d�nne ISO-Matte habe ich immer dabei. Die lege ich aufs Gras, ziehe mir bis auf die (rote) Unterhose alles aus und lege mich hin. Es dauert nicht lange, da bin ich eingeschlafen. Ich wache wieder auf, weil ein kalter, scharfer Wind weht: Huuuhhu, das ist aber kalt: Es sind nur 28� !! Daran sieht man, wie der Kreislauf beim Schlafen runter gefahren wird. Ich ziehe mir zwei Hemden an, dann ist es trotz dieser K�lte wieder auszuhalten.

St�ndig landen und starten Flugzeuge. Der Airport ist nur ca. 2 Kilometer weit weg, aber der Krach h�lt sich sehr in Grenzen, die Flugzeuge drehen kurz nach dem Start ab und fliegen grosse Schleifen �ber der See. Interessant. Die landenden Flugzeuge sind weit genug weg. Weniger interessant ist das f�r einige Hotels in dieser Gegend, denn sie liegen in der Einflugschneise. Alle 10 bis 20 Minuten r�hrt ein landendes Flugzeug �ber den Balkon ...! Schiffe fahren ein und laufen aus. Meistens sind es Touristenboote. Ein Wasserflugzeug landet und startet nach kurzer Zeit wieder. An einem Drachen, der von einem Motorboot gezogen wird, segelt ein Mensch �ber das Wasser. Der Drachen wird vom fahrenden Boot dann wieder eingeholt, so bekommt man bei diesem Abenteuer nicht mal nasse F�sse: Sehr praktisch!

Gegen 14:30 Uhr packe ich meine Sachen ein, ich will mir noch einmal Hazelnut-Torte mit Cappuccino leisten, bevor ich in See steche. Ich laufe 300 Meter mit meinem Gep�ck, schon fange ich an zu schwitzen. Die automatische Temperaturregelung meines Kreislaufs funktioniert hervorragend. Aber da ist ja eine Bank.

Ich setze mich, ziehe ein Hemd aus und hole mein Reisetagebuch hervor. Und so sitze ich jetzt hier an der Beach vor Cairns, schreibe, gucke auf die See und beobachte, wie das Wasser zur�ckgeht. Unter Mittag war Hochwasser. Reiher stehen bewegungslos wie St�cke im Wasser. Das k�nnen sie 20 Minuten regungslos aushalten. Dann stossen sie blitzschnell mit dem langen Schnabel zu und ziehen (manchmal) einen Fisch aus dem Wasser. Eine ganze Kolonie Pelikane lebt hier. Sie sitzen als Grossfamilie im Schlick und machen ganz intensiv Toilette. M�wen fliegen umher, suchen im Schlamm nach dem Mittagessen. Ganz bunte Papageien, immer in ganzen Schw�rmen, immer kichernd und streitend, fliegen von einem Baum auf den anderen. Die Wolken malen Streifen auf das Wasser. Das erscheint dann von hier aus dunkelgr�n. Wo die Sonne auf das Wasser trifft, f�rbt sie die See in ein gelbes Gr�n. Auf die bewaldeten Berge, gegen�ber der Beach, malen die Wolken dunkle Flecken, die sich langsam bewegen. Es weht ein sehr angenehmer, frischer Wind von See her. Hier kann man wirklich m�helos einen ganzen Tag nur mit Nichtstun verbringen.

Grosse Rasenfl�chen gibt es hier an der Promenade, ganz dichtes, gr�nes und sehr gepflegtes Gras. Sofort erinnert es mich an den Golfplatz in Midge Point. Das hier ist nicht das gerenderte, rechnerinterne ‚Green‘ von Midge Point, aber es gibt offensichtlich in Australien ein sehr spezielles, breitbl�ttriges und extrem dichtes Gras. Auch hier wird es sicher alle paar Tage gew�ssert, gepflegt und gem�ht. Wie auf einem dicken, chinesischen Teppich l�uft es sich darauf! Sch�ne, alte, breit ausladende B�ume stehe hier, viele Palmen wurden neu gepflanzt. Nur Baden kann man hier nicht, das ist ein Wattenmeer und kein Strand.

Alles ist friedlich hier und ruhig. Es gibt kein Problem, oder ... ?

15 Uhr, an der Promenade in Cairns

 

 

Hier, wo ich schon mehrmals und auch heute wieder Hazelnut-Torte esse, ist die Flaniermeile von Cairns. Gesch�fte, Passagen, Caf�s, Restaurants. Alle Stadtbusse von Cairns treffen sich hier an der City Plaza. Jeder Tourist muss mindestens einmal hier gewesen sein. Ich sitze an einem der Tische in einem unbequemen Metallstuhl, die vor Antonio’s Bistro Carverne in zwei Reihen auf dem �berdachten Gehweg stehen. In der hinteren Reihe, wo ich sitze, hat man nicht nur die beste Sicht auf die anderen Tische, auf h�bsche M�dchen, sch�ne Frauen, schmusende Paare und die l�rmende Gruppe junger Leute am Nachbartisch. Hier ist der Boulevard, hier m�ssen alle vorbei, die auf der City Plaza flanieren, die sehen und gesehen werden wollen.

‚Lieblich ruht der Busen auf dem Tisch, jener Jungfrau, welche rosig ist und frisch ...‘ (Tucholsky). Jungfrau ist sie bestimmt nicht mehr. Sie ist 20, h�chstens 22 Jahre alt, hat lange braune Haare, die durch ein helles Tuch zusammengehalten werden. Sie ist tats�chlich rosig, nicht von der Sonne gebr�unt! Ein weisses, sehr straff sitzendes Oberteil. Der breite, weisse G�rtel betont die schmale Taille. Ein kn�chellanger Rock, auf den ersten Blick Blaudruck, tats�chlich aber Batik. Weisse Sandalen, rosige Zehenn�gel ... Keine auff�llige Sch�nheit, aber ein nettes, europ�isch aussehendes M�dchen. Und tats�chlich, ihr herrlicher Busen ruht auf dem Tisch! Denn sie beugt sich tief �ber den Tisch, ist in ein intensives Gespr�ch mit ihrer Freundin vertieft. Die Freundin ist deutlich �lter, sie wird behaupten: ‚Ende 30 !‘, tats�chlich aber ist sie schon �ber 40. Die kurzen Hosen sind bei diesen Oberschenkeln schon sehr gewagt, es geht gerade noch, weil sie im Gegensatz zu ihrer Freundin knackig braun gebrannt ist. Als die beiden an den Tisch kamen, sah ich zuf�llig von meinen Notizen auf: Was f�r ein Prachtexemplar von einem Busen! Sie tr�gt einen BH. Leider. Aber den prallen Busen mit den kleinen, braunen Knospen, kann der nicht im Zaum halten oder in eine neue Form bringen. Gott sei Dank! Denn diese Brust ist rund, fest, straff und nicht zu gross, einfach vollkommen. Eine ideale Sch�pfung der Natur. Sie braucht weder St�tze noch Korrektur. ‚Heil und Sieg heute abend dem feinen Knaben, dem es frei steht, sich daran zu laben ...!‘ Offensichtlich geht es bei dem anregenden Gespr�ch der beiden genau um diesen Knaben. Sie sind fasziniert, vertieft, konzentriert und in hohem Grade belustigt. Die Rosige erz�hlt bewegt eine lange, spa�ige Geschichte, die Braune h�rt fasziniert zu, fragt ab und zu nach und kommentiert den Bericht. Beide sind sehr aufgekratzt und am�siert, immer wieder wird das Gespr�ch durch lautes, �berm�tiges Lachen unterbrochen. Jetzt ist der linke Arm l�ssig auf den Tisch gest�tzt, der rechte Arm liegt entspannt auf dem Oberschenkel, mit dem Busen st�tzt sie sich auf der Tischplatte ab. Mit pochendem Herzen sehe ich das alles jetzt life und im Profil direkt vor mir. Links die Rosige, rechts die Braune. Sie r�hrt mit dem schwarzen Plastikstrohhalm im leeren Tonic-Glas, ganz versunken in angenehme, heitere Erinnerungen, w�hrend die Braune auf sie einredet. Jetzt richtet sie ihre Haare, beide Arme hoch – was f�r ein Bild, was f�r ein Busen! Bildhauer m�sste man sein! Ein K�nigreich f�r die Sicht auf diesen Busen ohne BH und ohne Oberteil ...! Aber warum, wozu? Kann ein Torso, ein hoch �sthetisches Foto, anregender, stimulierender und fesselnder sein als dieses M�dchen jetzt in diesem Moment, in dieser realen Situation? Die Phantasie tr�gt mich �ber die Wirklichkeit hinaus, gaukelt mir das vor, was uns die Realit�t meistens nicht bieten kann. Je �lter, gelassener und weiser man wird, desto mehr gen�gt es einem, zu sehen, in Erinnerungen zu schwelgen und ‚gewollt zu haben‘. Welche Kalamit�ten w�rden mich erwarten, w�rde ich ab sofort alles daran setzen, diesen Busen in Natura zu sehen, wollte ich der Knabe sein, dem es freisteht, sich daran zu laben ...! Meine Ruhe und Gelassenheit w�re dahin, h�chste Wonnen und tiefste Zweifel w�rden mich zerreissen, pausenlos m�sste ich Liebesschw�re repetieren, st�ndig m�sste ich mein Verhalten und meine Gedanken rechtfertigen, Minnedienste leisten ... Nein Danke! Genau das reicht mir: Ich sitze nur wenige Meter von dieser rosigen Jungfrau entfernt und bewundere ihre nur sehr schemenhaft erkennbare Brust. Meine Phantasie pr�sentiert mit dieses Wunder der Natur in aller praller Deutlichkeit. Dieser Anblick, dieses herrliche Bild ist hinreichen f�r meine virtuellen L�ste. Anstatt mit den H�nden, den Lippen und mit vielen anderen Sinnen diese schwellenden Formen zu erkunden, gen�gen mir dazu meine Augen und meine lebhaften Imaginationen. Mehr brauche ich nicht, meine Einbildungskraft und mein Vorstellungsverm�gen machen daraus eine vollendete Wohltat. Es ist kein Orgasmus, aber es ist ein absolut �quivalenter Genuss: Imagination, Vernunft und die Summe aller Erinnerungen und Erfahrungen schaffen einen emotionalen Zustand h�chster Zufriedenheit, Beschaulichkeit und unendlicher Gelassenheit. Ach, wie herrlich sind die Freuden des Alters: Ich geniesse die uneingeschr�nkten Wonnen ohne das sexuelles Verlangen und ohne die damit unvermeidlichen einher gehenden emotionalen Kontroversen ... ! Ausserdem tue ich keinem weh, schaffe keine widrigen Komplikationen und bringe weder mich noch dieses rosige M�dchen in eine fatale, unerquickliche Situation. Im Gegenteil. Diese muntere Biene mit dem so respektablen Busen weiss nichts davon, dass sie mir in dieser halben Stunde zu einem der eindrucksvollsten Naturschauspiele verholfen hat, das ich in Australien gesehen habe. Und das nur durch ihre Anwesenheit, nur dadurch, dass sie direkt vor mir gesessen hat. Unsere Blicke habe sich nicht einmal getroffen und obwohl ich sie st�ndig im Auge habe, hat sie nichts von dem alten Mann bemerkt, der am anderen Tisch sitzt und eifrig in das Heft schreibt, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Und das Abenteuer ist noch nicht zuende! Sie sitzt ja noch immer vor mir und ich kann lustvoll meine Augen auf ihrem vollkommen K�rper wandern lassen. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass sie aufsteht. Der kr�nende Abschluss einer die Phantasie befl�gelnden Pr�sentation: Hier in Antonio’s Bistro, City Plaza, Cairns, Australia. Das Bistro, das zur B�hne dieser �sthetischen Darbietung geworden ist.

Noch ist auf dem Boulevard nicht die hohe Zeit des Showlaufens gekommen, erst zur Dinnertime, in zwei Stunden dr�ngen sich hier die Menschen. Jetzt sind noch viele an den sch�nen Beaches der Umgebung unterwegs, machen Siesta oder r�sten sich f�r den Abend und die Nacht. Trotzdem schlendern jetzt schon viele interessante Menschen vorbei. Ruhig, nicht in Hast und nur selten in Gesch�ften unterwegs. Shopping, Entspannung, Erholung und Selbstdarstellung ist angesagt. Dabei l�uft das ganze bunte V�lkergemisch Australiens hier an meinem Tisch vorbei, angereichert noch durch zahlreiche Touristen aus aller Herren L�nder: Eine ganz schwarze Dame, aber kein Aboriginal, unendlich viele, rote Perlen im schwarzen, dicht gekr�uselten Haar, violetter Sarong, ein blaues Tuch �ber der Stirn, das hinten unter den Haaren verschwindet. Eine vollendet komponierte Erscheinung. Ein paar gestylte Touristen aus England auf Mountainbikes, grelle Stretch-Freizeitbekleidung, den obligatorischen, aber idiotischen Fahrradhelm am Lenker. Eine schon mittelalterliche, schlanke Dame in einem gewagten, roten, engem und ausserdem geschlitzten Kleid. Sonnenbrille, schwarze Str�mpfe bis zum Bauchnabel, schwarze hochhackige Schuhe. Eilig und im angeregten Gespr�ch mit einem sehr korrekt gekleideten Gesch�ftsmann: Krawatte, kurz�rmliges, weisses Hemd, dunkle, lange Hose, blinkende, schwarze Schuhe. Ein Polizist im Dienst, ganz in Weiss: Weisse Schirmm�tze, weisses Hemd mit drei gelben Streifen auf der Schulter, kurze Hose (der weisse Tanga scheint durch), weisse Kniestr�mpfe, Sandalen. Ein �lterer Australier, mit seiner Frau auf Urlaub in Cairns: Buntes Campinghemd, kurze Hose, knielang, d�rre, braun gebrannte Beine, weisse S�ckchen, Sandalen. Seine Frau am Arm: Ausdruckslos mit Hut, blass, grau, d�rr in einem farblosen Sack als Kleid. Ein 15-j�hriger Aboriginal-Junge komplett in Schwarz: Alles teuerste Markenware von der Baseball-Kappe �ber T-Shirt, lange Turnhosen und Turnschuhe. Ein P�rchen beim Shopping, sehr verliebt, sie haben nur Augen f�reinander. Er ist mindestens 40 Jahre alt und hat schon viel hinter sich, Seer�uberoutfit, ein verwegenes, rotes Tuch um den Kopf. Sie ist blutjung und h�bsch. Beide in kurzen Hosen, braune Beine, Sandalen an den nackten F�ssen. Ein dralles M�dchen aus Frankreich: Sehr jung, aber ein BH muss schon sein, dar�ber ein weisses Hemdchen mit d�nnen Tr�gern, die die BH-Tr�ger nicht verdecken k�nnen. Ein viel zu grosser, leerer Rucksack, schwarze, sehr kurze Turnhosen, sch�ne, lange und braune Beine. Mein Gott, wie jung und hungrig auf das Leben sie ist! Einheimische Jungen kommen mit Angelzeug vom Fischen. Braungebrannt, mit viel zu grossen Klamotten. Ein junger Mann: Vor drei Tagen hat er sich alle Haare abschneiden lassen, Glatze, Silberringe in beiden Ohren, T-Shirt XXL, Hosen dito. Sie werfen Falten auf den viel zu grossen, kn�chelhohen Turnschuhen, die ganz betont nicht zugebunden sind. Zwei �ltere Damen, untergehakt und unverkennbar aus dem fernen, vereinigten K�nigreich: Ordentlich, frisch vom Friseur, Handt�schchen, weisse Handschuhe in der Hand, dezentes Kost�m. Eine Aboriginal-Familie. Der Vater sehr gross und dick, sie noch dicker, 35 bis 40 Jahre alt, wilde Haare, extrem bunte Kleidung. Die Tochter ist 16, h�bsch, knackig, schwarz wie die Nacht und nicht so grell wie ihre Eltern angezogen. Aber mit dem unverkennbaren Aboriginal-Gesicht, ist sie f�r ihr ganzes Leben in Australien gezeichnet. Zwei Chinesinnen, eine auffallend gross, beide d�nn, eine hat kurze, eine lange Hosen an. Beide sind mit der f�r Asiaten unverzichtbaren Bauchtasche und je einer Umh�ngetasche ausger�stet: Beide H�nde frei. Es ist auff�llig: Jetzt sind hier nur wenige asiatische Touristen zu sehen: Die Pauschalreise sieht um diese Zeit noch keinen Zeitblock ‚zur freien Verf�gung‘ vor ...

Jetzt steht sie auf !!! Der straffe Busen im Profil !! Die dunklen, steifen Brustwarzen markieren sich deutlich durch BH und Oberteil. Sie reckt sich in Zeitlupe und dreht mir langsam den R�cken zu, der auch Entz�cken wecken kann. Obwohl oder gerade weil sie einen langen Rock tr�gt sieht man, wie gross und schlank sie ist. Rundum eine herrliche Erscheinung, die vollkommene Demonstration von Jugend, Weiblichkeit und Vitalit�t. Ja, so hatte ich mir das Finale dieses Schauspiels gew�nscht und vorgestellt. Noch ein letzes Mal hat sie alles getan, um meine �sthetischen Schl�sselreize zu bedienen. Danke!

Die Braune f�llt gegen die rosige Jungfrau stark ab. Sie ist fast einen Kopf kleiner, nicht ann�hernd so gut proportioniert und auch noch unvorteilhaft angezogen. Sie betont die Sch�nheit ihrer jungen Freundin. Zola w�rde ihr raten, nicht mehr mit ihr zusammen auszugehen. Ausserdem w�re es an der Zeit, einen langen Rock zu bevorzugen. Auch wenn die Oberschenkel herrlich braun sind, f�r kurze Hosen sind sie nicht mehr attraktiv genug, sie und ihr Hinterteil sind einfach zu dick. Ein braunes, loses Oberteil, weisse, sehr kurze und sehr enge Hosen und dazu rosa Stoffturnschuhe. Das geht einfach nicht.

Jetzt sind die beiden ausser Sichtweite. Der Pulsschlag normalisiert sich. ‚Doch dann steh‘ ich auf und schlenk‘re froh mein Bein. Bin frei. Schieb‘ ab und lasse Jungfrau Jungfrau sein!‘ So nervenschonend sah das Tucholsky. Ich schieb‘ auch ab: Neue aufregende, anregende und erregende Erlebnisse erwarten mich auf dem Schnorchel-Trip im Great Barrier Reef.

16:40 Uhr, in Antonio’s Bistro, City Plaza, Cairns,

 

J�rgen Albrecht
Leipziger Strasse 47/16.03
D-10117 Berlin
Fax: 030 2016 5019
E-Mail: [email protected]
AL/040599

BACK