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Storys von Frauen und Männern Seite 5/5

Richtig spannend ist die Frage, ob die Frau auf einen Mann, auf die Männer oder viel eher auf die Sicherheit fixiert ist, egal wie sie aussieht! Bei den Aboriginals bietet nur die Gruppe Sicherheit und auch am Eisrand der europäischen Mittelgebirge konnte man nur in der steinzeitlichen Rotte überleben. Zwei Menschen allein waren unter diesen harten klimatischen Bedingungen nicht lebensfähig. Wie sah dort vor 10.000 Jahren (länger ist es noch nicht her!) das Verhältnis von Männern und Frauen aus? Eigentlich ist nichts anderes denkbar: In der Gruppe herrschten damals die sozialen Verhältnisse, die bei den Aboriginals in Australia noch bis vor 100 Jahren selbstverständlich waren. Das scheint mir unsere 'natürliche' Verhaltensweise unter Bedingungen zu sein, die man nur in einer Gruppe überleben kann. Und weil das in der meisten Zeit unserer Evolution der Normalfall war, sind wir viel eher auf diese Gruppenverhältnisse, als auf die Einehe programmiert.

Bei sexuellen Beziehung zwischen Gruppen von Männern und Frauen, spielt der Sex auch eine deutlich andere Rolle im täglichen Leben. Er ist völlig selbstverständlich, nicht tabuisiert und vor allen Dingen nicht so hoch moralisch aufgeladen. Männer und Frauen ergötzen sich hin und wieder an ihren Geschlechtsorganen. In aller Öffentlichkeit und ganz nebenbei, nur weil es gut tut. Nach 10 Minuten geht man wieder zur Tagesordnung über. Wenn es besonders schön war, kann man das ja auch 10 Mal an einem Tag wiederholen, aber lange werden das weder Frauen noch Männer aushalten. Es pegelt sich ein normales Mass ein. Der Sex ist das beste Mittel für Stressabbau, für ganz normale Entspannung, in erster Linie ist er schlicht und einfach Lustgewinn. Schön, aber mehr auch nicht. Sicher bilden sich auch in der Gruppe besondere Beziehungen zwischen einzelnen Männern und Frauen heraus. Aber sie sind kein Dogma und sie existieren nur kurzzeitig. Es ist kein Drama, wenn ein solches Verhältnis auseinander geht. Das scheinen die Verhaltensweisen zu sein, die die Natur vorprogrammiert hat.

 

Die katholische Kirche aber hat das natürliche Verhalten der Menschen mit Tabus und Sünden unter Strafe gestellt.

Wie geht es weiter ?!?
Es geht weiter, soviel ist klar. Aber die Zeiten haben sich geändert und wir sollten daraus die Konsequenz ziehen: Die lebenslange Einehe hat nie funktioniert und sie kann unter den heutigen Verhältnissen erst recht nicht funktionieren. Also müssen andere Formen des Zusammenlebens von Männern und Frauen gefunden werden, die unserem natürlichen Verhalten besser entsprechen. Es lebe die Gruppe, denn auf die Gruppe sind wir programmiert. Immer wieder hat es Bemühungen in dieser Richtung gegeben. Auch die 68-er waren mit den Kommunen auf dem richtigen Weg. Aber sie waren, wie alle Revolutionäre, nicht revolutionär genug.

Bei allen Naturvölkern, in Japan, in Indien und auch bei den Moslems gibt es de facto die Ehe auf Zeit. Der Mann heiratet eine 17-jährige Frau und hat mir ihr mehrere Kinder. Nach 8 bis 10 Jahren lebt diese Frau zwar weiterhin im Haus, aber sie lebt sexuell abstinent, konzentriert sich auf die Kinder und die schönen Künste. Der Mann nimmt sich eine neue, junge Frau und das Leben fängt für ihn von vorne an. Endlos hält auch das der stärkste Mann nicht aus. Irgendwann merkt auch er, wie nervenschonend die sexuelle Abstinenz sein kann. Diese Variante ist mit Sicherheit nicht besser, als das Leben in einer Gruppe, trotzdem entspricht sie viel mehr der biologischen Konstitution von Mann und Frau, als die lebenslange Einehe.

Natürlich können wir nicht mehr zurück zu den sozialen Verhältnissen der steinzeitlichen Rotte. Aber wir werden akzeptieren müssen, dass sie unser Sozialverhalten länger und nachhaltiger geprägt hat, als die katholische Kirche es vermocht hat. Erst wenn man das begreift, kann man über Alternativen zur christlichen Einehe nachdenken.

Jürgen Albrecht, Exmouth, WA, 26. März 2000

12. November 2000

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