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This is America 3/5

Politik ist Show
Diese Unterschiede sind wesentlich und nicht nur vorteilhaft. Von Anfang an hatten alle Regierungen der USA offensichtlich ein grosses Problem damit, das eigene, sehr heterogen zusammengesetzte Volk zu erreichen, es anzusprechen und zu mobilisieren. Das liegt entscheidend an der Grösse des Landes, an der uneinheitlichen Bevölkerungsstruktur, dem durchweg geringen Bildungsniveau und der Motivation der privaten Amerikaner, die permanent um das Überleben, mindestens aber um Money kämpfen. An der Politik sind sie nur dann interessiert, wenn sie direkt davon tangiert werden. Was sich an der Ostküste abspielt, existiert im Hinterland und an der Westküste praktisch nicht. Am einfachsten sind Amerikaner wahrscheinlich bei einer Wahl dadurch zu mobilisieren, dass man ihnen 150 Dollar in die Hand drückt und sie zum Wahllokal fährt.

In dieser Situation scheinen bereits die frühesten Regierungen zum einfachsten Mittel gegriffen zu haben, das überhaupt vorstellbar ist: Show und Nationalismus. 'We are the Greatest Nation on Earth !!' Jeder lässt wenigstens für einen Moment seine Arbeit fallen, wenn ihm jemand erzählt, dass er der Grösste ist, oder mindestens zur Nation der Grössten gehört. Das hat in der bisherigen Menschheitsgeschichte bei Pharaonen, Fürsten, Königen, Kaisern und auch bei Hitler und Stalin hervorragend funktioniert.

 

Demokratie ist in Amerika eine Show von vielen. Der Holzhammer kann nicht gross genug sein, die Effekte so simpel und so grell wie möglich. Die Masche mit dem Patriotismus, den Fahnen und den blauweissroten Luftballons, angeheizt von Cheer Leaders, versteht jeder und auch der Einfältigste kann sich damit identifizieren. Weil die Amerikaner durchaus gute Gründe für ihren Nationalismus in Historie, Politik, Wirtschaft und in der militärischen Schlagkraft finden, besitzt dieser Nationalstolz tatsächlich auch einen realen Hintergrund. Dass dabei die Demokratie zur Farce verkommt, merkt kaum jemand. Für die Wirtschaftsmagnaten und ihre politischen Helfer ist genau das bequem und nützlich.

Ich nehme an, das sind die Ursachen, warum das politische Amerika in seinen offiziellen Reden und in seinem öffentlichen Verhalten auf Simplifizierung, nationale Grösse und Pathos setzt. Nur auf diese Weise entsteht das Gefühl 'America United'. Dass dieses Verhalten im Ausland als banal, grossspurig und arrogant angesehen wird, stört Amerika nicht. Erstens bemerken die wenigsten Amerikaner diese ausländischen Reaktion und zweitens ist ihr Selbstbewusstsein gross genug, um solche Kritik einfach zu ignorieren.

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